Kartierungsbüro Hintsche GmbH

Amphibien:

Weltweit wurden bisher über 9.000 Amphibienarten beschrieben. Der Großteil der Spezies gehört dabei zu den Froschlurchen (Frösche, Kröten, Unken), während die Gruppen Schwanzlurche (Molche und Salamander) sowie Schleichenlurche (Blindwühlen) zusammen nur knapp zwölf Prozent der Amphibienarten stellen. In Deutschland kommen allerdings nur sehr wenige Lurche, wie Amphibien auch genannte werden, vor.

Von den Eigentlichen Salamandern kommen in Deutschland nur zwei Arten vor. Dabei handelt es sich um den Gemeinen Feuersalamander (Salamandra salamandra), der an naturnahen Bachläufen in Laub- und Mischwäldern lebt, und den Alpensalamander (Salamandra atra), der im Gegensatz zu anderen Amphibien voll entwickelte Jungtiere zur Welt bringt. Von den ebenfalls zu den Schwanzlurchen gehörenden Molchen leben in Deutschland mit dem Nördlichen Kammmolch (Triturus cristatus), dem Bergmolch (Ichthyosaura alpestris), dem Teichmolch (Lissotriton vulgaris) und dem Fadenmolch (Lissotriton helveticus) vier Arten. In Niedersachsen existiert zudem eine kleine Population des eingeschleppten Italienischen Höhlensalamanders (Speleomantes italicus) und in Bayern des Italienischen Kammmolchs (Triturus carnifex). Im Gegensatz zu den Salamandern legen Molche noch Eier in Gewässern ab.

Alle weiteren einheimischen Spezies gehören zu den Froschlurchen, die in Deutschland mit sechs Familien vertreten sind. Die Nördliche Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) aus der Familie Alytidae (Geburtshelferkröten und Scheibenzüngler) sowie die Gemeine Gelbbauchunke (Bombina variegata) und die Gemeine Rotbauchunke (Bombina bombina) aus der Familie Bombinatoridae (Unken und Barbourfrösche) stellen dabei Vertrerter der „Urtümlichen Froschlurche“ dar, während die Westliche Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) aus der Familie Pelobatidae (Europäische Schaufelfußkröten) zu den sogenannten „Mittleren Froschlurchen“ gerechnet wird. Die weiteren Arten gehören alle zu den „Modernen Froschlurchen“. Dabei . Die Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) und die Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) besitzen dabei nur noch wenige inselartige Vorkommen in Deutschland. Von den Kröten (Familie Bufonidae) kommen in deutschland drei Arten vor. Dabei handelt es sich um die Erdkröte (Bufo bufo), die Nördliche Wechselkröte (Bufotes viridis) und die Kreuzkröte (Epidalea calamita). Die weltweit artenreichste Familie der Laubfrösche (Hylidae) ist bei uns mit dem Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea) vertreten. Von den Echten Fröschen (Ranidae) werden schließlich noch drei Arten von Braunfröschen und drei Arten von Grünfröschen den einheimischen Froschlurchen zugerechnet. Die Braunfrösche sind durch Grasfrosch (Rana temporaria), Europäischen Springfrosch (Rana dalmatina) und Moorfrosch (Rana arvalis) vertreten, während zu den Grün- oder Wasserfröschen der Seefrosch (Pelophylax ridibundus), der Kleine Wasser- oder Tümpelfrosch (Pelophylax lessonae) und der Teichfrosch (Pelophylax esculentus) gehören, wobei es sich beim letztgenannten um einen Hybriden zwischen Seefrosch und Tümpelfrosch handelt. Aus der Gattung der Wasserfrösche (Pelophylax) sind auch weitere Arten eingeschleppt worden, die teilweise auch mit den einheimischen Arten hybridisieren können. Vor allem in der Oberrheinischen Tiefebene finden sich schließlich auch noch Populationen des eingeschleppten Nordamerikanischen Ochsenfrosches (Lithobates catesbeianus).

Wechselkröte (links)
und Gelbbauchunke (rechts)

Gefährdung und Kartierungsmethoden:

Die meisten Amphibienarten in Deutschland sind mit Bestandrückgängen konfrontiert. Vor allem Trockenperioden, die Zerstörung von Lebensräumen und Umweltgifte (Pestizide), aber auch das Kollisionsrisiko auf Straßen sind als Hauptursachen zu nennen. Regional können auch invasive Arten wie der Ochsenfrosch eine Rolle spielen. Die Rote Liste Deutschland listet Geburtshelferkröte, Rotbauchunke, Gelbbauchunke, Wechselkröte und Kreuzkröte in Kategorie 2 (Stark gefährdet) sowie Kammmolch, Laubfrosch und Moorfrosch in Kategorie 3 (Gefährdet). Der Feuersalamander sowie Gras- und Springfrosch stehen auf der Vorwarnliste (Potenziell gefährdet). Für den Tümpelfrosch gilt eine Gefährdung unbekannten Ausmaßes. Die Rote Liste Bayern führt Geburtshelferkröte, Wechselkröte und Moorfrosch in der Kategorie 1 (Vom Aussterben bedroht). In Kategorie 2 (Stark gefährdet) sind Kammmolch, Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Knoblauchkröte und Laubfrosch gelistet, während in Kategorie 3 (Gefährdet) Feuersalamander, Fadenmolch und Tümpelfrosch stehen. Grasfrosch, Springfrosch und Teichmolch befinden sich bereits auf der Vorwarnliste (Potenziell gefährdet). Den Amphibien kommt daher ein besonderer Schutzstatus zu. So sind Kammmolch, Rotbauch- und Gelbbauchunke in den Anhängen II und IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) gelistet und daher gemeinschaftsrechtlich geschützt. Alpensalamander, Geburtshelferkröte, Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Wechselkröte, Laubfrosch, Tümpelfrosch, Moorfrosch und Springfrosch sind ebenfalls in Anhang IV der FFH-RL gelistet. Dementsprechend sind diese Arten auch oft Gegenstand vor faunistischen Kartierungen und Monitorings. Nachweise können dabei sowohl über das Verhören rufender Froschlurchmännchen erfolgen als auch Sichtbeobachtungen, wobei bei Molchen Gewässer oft nachts abgeleuchtet werden und gelegentlich auch Wasserfallen ausgebracht werden. Vor allem bei Kaulquappen sind oft Kescher und Lupen als Hilfsmittel notwendig. Gerade zum Nachweis von Krötenarten, die mehr Zeit an Land verbringen als andere Lurche, können auch künstliche Verstecke ausgebracht werden, die dann regelmäßig kontrolliert werden. Zur näheren Bestimmung mancher Wasserfroschhybride können auch genetische Analysen notwendig sein.

Als Schutzmaßnahmen werden an Baustellen und Straßen gerne Amphibienschutzzäune aufgestellt, um das Kollisionsrisiko niedrig zu halten. Manchmal werden auch Ausgleichshabitate wie Laichgewässer und Überwinterungshabitate angelegt. Bei den Laichgewässern liegt die Schwierigkeit darin, dass viele Arten auf ephemere Gewässer angewiesen sind, die also gelegentlich austrocknen, damit sich keine Prädatoren wie Fische oder Libellenlarven ansiedeln. Umgekehrt müssen sie aber lange genug Wasser führen, damit die Amphibien ihre Entwicklung abschließen können.

 

® Stefan Hintsche 2026